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Der Eibsee

Das Märchen der bayerischen Karibik (und seine Schattenseiten)

Der Eibsee am Fuße der Zugspitze gilt als einer der schönsten Seen der Alpen. Sein kristallklares Wasser schimmert durch den kalkhaltigen Untergrund in Karibik – Blau. Durch die Spiegelung der massiven Nordwand der Zugspitze und die acht kleinen Inseln, zieht der See jährlich Hunderttausende in seinen Bann. Besonders bei internationalen Gästen ist der Eibsee Ziel Nummer eins in Bayern – oft noch vor Schloss Neuschwanstein. Die Gründe sind simpel : Perfektes Marketing, Bilder des Sees gehen auf Instagram und Tik Tok täglich viral. So war es wenig verwunderlich, als ich die Schlange unzähliger Influencer, im Kampf um den besten Spot beobachten durfte. Das perfekte Türkis, das schroffe Gebirge im Hintergrund und eine bunte Fitness – Bowl in der Hand, während das Smartphone zum wichtigsten Wanderutensil wird.

Geht man ein paar Meter weiter weg von den bekannten Fotopunkten, schmeckt die mitgebrachte Brotzeit vielleicht weniger „Instagrammable“ doch die Stille des Sees ist ohnehin unbezahlbar.

Wer zwischen 10 und 17 Uhr am Eibsee ankommt, erlebt meist einen Schock und braucht starke Nerven, die Ruhe die man von den Fotos kennt, sucht man oft vergebens. Der Rum ist für die Region, wie auch in vielen anderen Teilen Bayerns ein zweischneidiges Schwert.

Geologen fanden heraus, dass vor etwa 3700 Jahren ein großer Teil der Nordflanke der Zugspitze abbrach. Dabei stürzten Millionen Tonnen Gestein in die Tiefe. Natürlich ranken sich ebenfalls zahlreiche Mythen um den See, so ist von einem versunkenen Dorf die Rede oder gar magischen Wurzeln im Wald. So oder so gibt es ihn noch, den magischen Eibsee. Doch man muss für ihn bezahlen – mit Schlafenzug.

Wer bei Sonnenaufgang am Ufer steht, erlebt ein Wunder. Wenn die ersten Sonnenstrahlen die Zugspitze rosa leuchten lassen, herrscht absolute Stille. Diesen Moment will man einfach nur voller Ehrfurcht auf sich wirken lassen. In diesen frühen Morgenstunden gehört der See den Einheimischen, den ernsthaften Naturfotografen und den frühen Vögeln. Es ist die einzige Zeit, in der man noch die wahre Seele des Sees spürt.