Wo Bayern aufhört – und die Wildnis beginnt

Der Spruch “ Wer an den Rand geht, findet das Besondere“ oder „Über den Tellerrand schauen“ drückt aus, dass man dem Neuen und Einzigartigen oft begegnet, indem man sein gewohntes Umfeld verlässt, auf neuen Wegen abseits der sicheren Pfade spaziert. Das Besondere zeigt sich selten dort, wo alles bequem und gewöhnlich ist. Ähnlich ging es mir vor einigen Wochen, als ich die gewohnte Alpenkulisse für ein Wochenende gegen die raue Wildnis am Rande Bayerns tauschte.
Nach einer kräftezehrenden Woche im Arbeitsalltag fühlte ich mich ausgelaugt. Es war zu laut, zu warm zu viel von allem. Ich wünschte mir nichts sehnlicher als Ruhe. Ruhe zum durchatmen, Ruhe für mich – ohne Trubel, ohne seichten, niemals endenden Smalltalk, ohne Menschen. Nur die Natur und ich. Schöne Wunschvorstellung – doch wo gibt es das noch in Bayern? Echte Wildnis, raue Natur und tiefe Begegnung.
Dann stieß ich auf diesen Spruch und wurde daran erinnert, das Besondere nicht im Bekannten zu suchen, sondern bis an den Rand zu gehen. In meinem Fall – der Rand Bayerns. Wer hier das typische Postkarten- Bayern mit bunt verzierten Gasthäusern und sanften Kuhweiden sucht, wird enttäuscht. Und das ist das Beste was dir passieren kann. Das Fichtelgebirge ist Rau, Ehrlich und voller ungezähmter Natur. Die Menschen dort sind wie ihre Landschaft : Wortkarg und Echt. Es gibt keinen überflüssigen Smalltalk, keine durchgestalteten Erlebniswelten sondern echte Pfade. Wenn du in eine Berghütte einkehrst, bekommst du keine vegane Bowl für zwanzig Euro, sondern ausgekochte Rinderbrühe mit Einlage, dazu Schwarzbrot und dunkles Bier aus einer der zahlreichen lokalen Familienbrauereien. Das schmeckt – und schont den Geldbeutel.
Das Fichtelgebirge ist der perfekte Zufluchtsort für alle, die dem Massentourismus entfliehen wollen. Eine Region zum durchatmen, zum Schmutzig machen und zum Runterkommen. Pack die Wanderschuhe ein, leg die Erwartungen ab und lass dich auf die
ehrliche Wildnis ein.


Der Fichtelsee
Der Fichtelsee liegt malerisch eingebettet zwischen den beiden höchsten Bergen des Fichtelgebirges : dem Schneeberg und dem Ochsenkopf. Der rund 10 Hektar große, mystische Moorsee in der oberfränkischen Gemeinde Fichtelberg ist der perfekte Ausgangspunkt für Wanderungen in beide Gebiete. Von familienfreundlichen Spaziergängen um den See bis hin zu anspruchsvollem Gipfeltouren ist für jeden etwas Passendes dabei. Besonders anmutig wirkt der See in den frühen Morgenstunden, wenn sich der letzte Nebel über der schwarzen Oberfläche des Moores löst.




Wandergebiet Schneeberg
Der Schneeberg ist mit seinen 1051 Metern der höchste Berg des Fichtelgebirges und gleichzeitig die höchste Erhebung ganz Frankens. Der Klassiker unter den Wanderungen rund um den Schneeberg ist die 3 -Gipfel-Tour vom Seehaus, das auf dem Rückweg zur Rast einlädt. Vorbei am Nußhardt, ein Gipfel geformt durch gewaltige Felsformationen und einer tollen Aussichtsplattform. Der Weg bergauf führt über den großen Haberstein, ein Blockmeer aus Granitfelsen, direkt an der Bergflanke zum Gipfel des Schneebergs, der noch heute den ehemaligen Fernmeldeturm der Bundeswehr beherbergt, ein Relikt aus vergangenen Tagen. Rund 50 Jahre war der Gipfel militärisches Sperrgebiet.




Der Ochsenkopf
Der Klassiker im Fichtelgebirge ist die Besteigung des Ochsenkopfes über den Weißmainquellsteig bis hin zum Wahrzeichen, den in Stein eingeritzten Ochsenkopf am Gipfel des Berges. Rund 12 Kilometer und 360 Höhenmeter geht es nach oben. Nach dem ersten knackigen Anstieg hast du die meiste Steigung bereits geschafft, und kannst dich auf den folgenden Kilometern auf wahres Genusswandern freuen. Vorbei am Weißmainfelsen, der dir bei gutem Wetter eine tolle Sicht über den Schneeberg garantiert, weiter zur gleichnamigen Quelle, hinauf zum Gipfel. Auf 887 Metern Höhe entspringt hier in einer steinernen Quellfassung der Weiße Main. Es ist faszinierend zu sehen, wie aus einem kleinen Rinnsal im Wald später einer der wichtigsten Flüsse Deutschlands wird. Oben angekommen geht es dann nicht mehr ganz so ruhig zu, da von der anderen Seite die Ochsenkopfbahn auf den Gipfel führt. Aber bis dahin gehört der Weg euch.



Mein persönliches Fazit zum Wandern im Fichtelgebirge : Es wird oft unterschätzt. Das Fichtelgebirge hat enorm viel Charakter und erinnert mit seinen dunklen Nadelwäldern und den moosigen Wegen ein kleines bisschen an Skandinavien. Wer unberührte Natur ohne Schnickschnack und Massentourismus sucht, wird es hier lieben. Absolute Empfehlung für euren nächsten Wochenendausflug!