+49 171 4844763 Komma.PH@web.de
Der „Don – Auwaldweg“

In 5 Etappen durchs schwäbische Donautal

Wenn ich an meine Kindheit zurückdenke und an die Kindergeburtstage, zu denen man eingeladen wurde, haben mich vermutlich zwei Spiele, die Klassiker, die dort gespielt wurden, besonders geprägt – zum einen Topfschlagen, zum anderen die Schnitzeljagt. Während Topfschlagen – das Spiel, bei dem man die Augen verbunden, mit einem Kochlöffel in der Hand, im Mittelpunkt des Geschehens ist und von den Kindern ringsherum zugerufen bekommt, wohin man gehen soll, damit es „warm“ oder „kalt“ ist – mich vermutlich minimal traumatisiert hat (und ich schreibe das mit einem nicht ganz so ernsten Schmunzeln im Gesicht) war die Schnitzeljagt immer eines meiner absoluten Lieblingsspiele. Einen vorgegebenen Weg verfolgen, Hinweise finden, vielleicht das ein oder andere Rätsel lösen, um den Weg weiter zu gehen – genau das fand ich richtig super!

So oder so ähnlich geht es mir heute, wenn ich einen neuen Wanderweg entdecke – die Schilder verfolge, die mich Stück für Stück durch die Natur meinem Ziel entgegenbringen. So richtig neu ist mir die Donau natürlich nicht, dennoch gab es für mich einiges zu entdecken auf den 5 Etappen durch meine Heimat.

Mit 60 Kilometern Länge führt der erste Premiumwanderweg in Bayerisch – Schwaben fast ohne Steigung, durch eines der größten Auwald Gebiete an deutschen Flüssen. In mehreren Etappen verläuft er von Schwenningen an der Donau bis nach Günzburg. Was ich besonders schön finde: die Etappen liegen alle an der Donautalbahn, was eine flexible Planung und problemlose Rückbeförderung ermöglicht. Die einzelnen Etappen kann man somit wunderbar als Tagestour begehen oder auch als fünftägige Fernwanderung.

Etappe 1 Schwenningen nach Höchstädt an der Donau

13 Kilometer plus Zubringerwege zu und von den Bahnhöfen ca. 5 Kilometer

Die erste Etappe führt euch vom Bahnhof in Schwenningen hinaus an den Ortsrand, wo ihr schon schon bald die Donaustaustufe quert und die ersten Kilometer entlang des Flusses wandert. Besonderes Highlight dieser Stecke sind die zahlreichen kleinen Seen im Naturschutzgebiet, die euch entlang des Weges immer wieder zu einer kleinen Rast einladen. Wichtig ist, dass ihr euch euren Proviant einpackt, denn es gibt unterwegs keine Möglichkeit zur Einkehr. Der Donauwald – Weg überraschte mich besonders mit einer einzigartigen Beschilderung – die ich so nur von wenigen Wanderwegen kenne -verlaufen ist hier praktisch unmöglich. Im Laufe der Jahre wurden einige Picknickmöglichkeiten angelegt, was ich sehr schön finde. Allerdings suche ich mir persönlich auch gerne mal mein eigenes Plätzchen in der Natur, und achte dabei natürlich die umliegende Tier und Pflanzenwelt nicht zu stören.

Der Donauwaldweg hat zu jeder Jahreszeit seine Vorzüge: während im Sommer die schattenspendenden dichten Wälder für Abkühlung sorgen, zeigen sich im Frühjahr die ersten Frühlingsblüher und der Wald duftet überall herrlich nach frischem Bärlauch. In Höchstädt angekommen, begrüßt euch sein Wahrzeichen, das Schloss Höchstädt, als eines der herausragenden Denkmale der Spätrenaissance. Heute ist es Eigentum des Freistaates Bayern und dient als Museum sowie Ausstellungsort. Nehmt euch noch ein wenig Zeit, für eine Tasse Cappuccino in der Bäckerei Salzmann und probiert unbedingt die Brezen dort – ihr werdet sie lieben. Oder schlendert noch ein wenig über den überschaubaren Marktplatz und genießt ein Eis in den ersten Sonnenstrahlen, bevor es die letzten Kilometer zum Bahnhof geht.

Etappe 2 Höchstädt nach Dillingen an der Donau

10 Kilometer plus Zubringerwege von und zu den Bahnhöfen ca. 5 km

Bei der zweiten Etappe des Donauwaldweges ist der Name Programm. Nur selten verläuft der Weg direkt entlang des Flusses, vielmehr führt er auch auf dem gegenüberliegenden Damm in Richtung Etappenziel. Durch immer wieder wechselnde Waldstücke, vorbei an stehenden Gewässern, bekommt ihr einen Eindruck davon, wie der Fluss einst verlief. Bis ins 19te Jahrhundert war die Donau ein Wildfluss, der sich im Tal ausbreitete und ein weit verästeltes System von Armen und Kiesbänken bildete. Durch Begradigung, die 1970 weitestgehend abgeschlossen war, wurde die natürliche Dynamik stark eingeschränkt um Hochwasserschutz zu gewährleisten. Was zurückbleibt ist eine bewundernswerte Auenlandschaft als wertvolles Naturschutzgebiet für zahlreiche Pflanzen und Tiere. Einen besonders schönen Ausblick darauf bekommt ihr auf einer Anhöhe bei Steinheim.

Ein weiteres Highlight auf dem Weg ist definitiv der Hofmahdschweigsee, er lädt mit einem kleinen Steg und traumhafter Ruhe zum Verweilen und Picknicken ein. Ansonsten ist diese Etappe im Gegensatz zu den anderen eher Rau, da sie viel durch Naturbelassenen Wald führt und die Wege an der ein oder anderen Stelle ziemlich matschig sein können. Gerade im Frühjahr ist die Natur dort noch nicht ganz so weit wie auf den restlichen Wegen, zeigt sich aber dennoch an der ein oder anderen Stelle.

Wenn ihr die Donaubrücke bei Dillingen passiert habt sind es nur noch wenige Kilometer hinauf zum Schloss Dillingen, das ihr schon aus der Ferne sehen könnt. Von dort führt ein beschilderter Zubringerweg über die Altstadt direkt zum Bahnhof.

Etappe 3 Dillingen an der Donau nach Gundelfingen

18 Kilometer plus Zubringerwege von und zu den Bahnhöfen 5 km

Bei dieser Strecke habt ihr die Wahl, ob ihr sie auf einmal oder in zwei Teilen gehen wollt. Der Donauwaldweg hat keine vorgeschriebenen Etappen somit habe ich mich entschieden, Dillingen, Lauingen und Gundelfingen zu einer Tagestour zu verbinden. Natürlich nicht ohne einen kurzen halt in Lauingen – die Stadt, deren Altstadtkern als einziger unmittelbar an der Donau liegt. Auf dieser Etappe gibt es einiges zu entdecken : neben der Naturkneipanlage gleich hinter Dillingen führt euch der Weg entlang durch grün blühende Auenlandschaft.

Für einen kurzen Spaziergang durch die Altstadt und eine anschießende Rast bietet sich das Donauufer in Lauingen an. Mit vielen Bänken und Sitzmöglichkeiten direkt am Wasser garantiert es tolle Ausblicke. Weiter folgt ihr der Beschilderung nach Gundelfingen, die euch an einer weiteren bedeutenden Stelle vorbei führt – die Brenzmündung. An dieser Stelle mündet die Brenz, nach dem sie etwa 52 Kilometer von ihrem Ursprung in Königsbronn durch das Eselsburger Tal und weiter über Giengen geflossen ist, schließlich in die Donau. Ein weiteres Highlight ist der Faiminger Stausee. Dort wird die Donau zur Energiegewinnung angestaut. Hier endet der Weg des Donauwaldweges und ihr folgt wieder den Verbindungswegschildern zum Bahnhof und ins Zentrum.

Etappe 4 Gundelfingen an der Donau nach Offingen

10 Kilometer plus Zubringerwege von und zu den Bahnhöfen ca. 5 Kilometer

Was ist denn jetzt eigentlich genau ein Auwald ? Diese Frage stellte ich mir natürlich im Laufe meiner Wanderung, denn so genau wusste ich das ehrlich gesagt nicht. Unterwegs begegneten mir die verschiedensten Baumarten sowie Waldstücke, die auf unterschiedlichste Art genutzt werden. Ein Auwald ist ein waldiger Lebensraum entlang von Flüssen und Bächen dessen Landschaft durch regelmäßige Hochwasser des Gewässers geprägt wird. Die Bäume und Pflanzen die dort leben, sind an hohes Grundwasser angepasst. Und genau weil dort so viel stehende Gewässer vorkommen, beherbergen Auwälder eine enorme Vielzahl an Tieren – darunter seltene Vögel und Insekten. Durch diese Auwälder führt euch auch die vierte Etappe des Donauwaldweges. Ihr startet die folgenden 10 Kilometer kurz nach dem Faiminger Stausee. Immer wieder wechseln sich unberührte Auenlandschaft mit Abschnitten ab, in denen der Weg direkt an der Donau verläuft. Am besten habt ihr zu jeder Jahreszeit einen Schal und eine leichte Jacke bereit, auf dem Damm kann es schnell windig werden. Euer Ziel ist die Radlertankstelle, ein Biergarten der ab Mai wieder geöffnet hat – direkt in Offingen an der Donaubrücke. Auch jetzt schon ist eine kleine Pause dort möglich, denn eine große Bank steht bereit mit folgender Aufschrift : „Dohokandedodeallerweildohoka“. Aber solange “ vo deane“ keiner in Sichtweite ist, hat bestimmt niemand was dagegen.

Etappe 5 Offingen nach Günzburg

12 Kilometer plus Zubringerwege von und zu den Bahnhöfen ca. 5 Kilometer ( Umleitung über die Donauhänge kürzer)

Die Schwaben unter sich sind sich an vielen Stellen nicht wirklich einig, wer denn nun die „echten“ Schwaben sind. Während der wüttembergische Schwabe, so heißt es, den Gürtel extrem eng schnallt, Herrgottsbscheißerle und Spätzle als einziges Nationalgericht anerkennt und jedes zweite Wort mit „le“ endet, sieht sich der bayerische Schwabe schwäbsich, meint jedoch als bayrisch sozialisiert zu gelten. Die Maultasche wird zwar geschätzt, daneben ist aber der bayerische Schweinsbraten mit Knödel genauso heilig. Wie fein die Unterschiede wirklich sind zeigt sich jedoch erst an den kleinen Neckereien der bayerischen Schwaben untereinander. Während für einen Schwaben, der nordöstlich von Günzburg stammt, den Günzburger angeblich für den schlechteren Autofahrer hält, der stattdessen lieber mit Legosteinen bastelt – würde ein Günzburger alle rund um Augsburg als jähzornige Grantler bezeichnen, die besser zurück nach „Datschiburg“ gehören – natürlich ist das ganze nicht wirklich ernst gemeint.

Aber was hat das ganze nun mit der fünften Etappe des Doanauwaldweges zu tun ? Ganz einfach: für mich war es im Vorfeld super spannend zu erfahren, was mich dort erwartet, außer Legosteinen. Gleich Vorweg: Günzburg hat eine bezaubernde Altstadt, mit vielen alt eingesessenen Traditionsbäckereien und kleinen Geschäften, versteckt in malerischen, kopfsteingepflasterten Gassen, die es alle zu besuchen lohnt.

Leider ist der Donauwaldweg dort aktuell aufgrund von Baumschäden in seinem ursprünglichen Verlauf nicht begehbar. Eine Umleitung über die Donauhänge, ist auch dort hervorragend ausgeschildert, hat jedoch leider keinerlei Ähnlichkeit mit den restlichen Etappen. Das ist natürlich rein persönliches Empfinden, aber ich würde den Donauwaldweg in Offingen beenden, und die Altstadt von Günzburg mit Hilfe der Donautalbahn besuchen. Wer es trotzdem versuchen möchte, folgt vom Bahnhof Günzburg aus etwa 2 Kilometer dem ursprünglichen Wegverlauf und wechselt dann zu den blauen Donauhänge – Wegweisern bis nach Offingen zur Radlertankstelle.