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Der Kuststigen – Wanderung auf den Schären Göteborgs

Schwedens wilder Westen

Die nördlichen Schären von Göteborg ( Hönö, Öckerö, Hälsö und Fötö) sind ein spektakuläres Inselparadies an der schwedischen Westküste, das super einfach von Göteborg aus zu erreichen ist. Direkt am Göteborger Hauptbahnhof (Göteborg Central) befindet sich der Busbahnhof Nils Ericson Terminalen, von dem euch direkte Busverbindungen in ziemlich kurzer Zeit in die wunderschöne Schärenwelt bringen. Ein kleines Stück der Strecke legt der Bus mit der Fähre zurück. Die vier Inseln selbst sind clever durch Brücken verbunden und lassen sich so wunderbar zu Fuß erkunden.

Der Kuststigen ist ein 376 Kilometer langer Wanderweg der durch den schwedischen STF ausgezeichnet wurde. 36 Kilometer davon führen über die vier Inseln Hönö, Öckerö, Fötö und Hälsö. Dank des gut ausgebauten und unkomplizierten Busnetzes lassen sich alle Etappen miteinander kombinieren oder als Tagesausflug planen. Im Grunde gibt es zwei Linien, Bus 1 und Bus 2, die die Inseln im Wechsel auf und abfahren. Wie stolz die Inselbewohner auf ihren öffentlichen Nahverkehr sind, merkt man spätestens dann, wenn einer der schönsten Wanderwege an einer Bushaltestelle vorbeiführt und man voller Überzeugung den Rat bekommt, doch einfach den Bus zu nehmen – was mich mehr als einmal schmunzeln ließ.

Etappe 1 : Insel Hönö

Hönö Klåva, das lebendige Hafenzentrum der Insel Ist hier Start – und Endpunkt für Wanderungen aller Art. Ich entschied mich neben dem Kuststigen dafür, die komplette Insel zu umrunden. Da ich unmittelbar im Hafenzentrum bei Lasse und Marie im Air B&B wohnte, was ich unglaublich gerne weiterempfehle, und jedem, der sich für einen Besuch der Insel entscheidet wärmstens ans Herz legen kann. Nicht nur die Nähe zum Hafen mit den kleinen Läden und dem Supermarkt, auch die nette Gastfreundschaft machte meinen Besuch zu etwas ganz Besonderem. Der Hafen lädt mit seinen kleinen Läden und Cafés zum verweilen ein.

Neben dem südlich gelegenen Jungfruviken, einem Park, der einige Badestellen sowie einen weitläufigen Spielplatz mit flachem Sandstrand bietet, verläuft der Kuststigen auf der nordwestlichen Seite der Insel und führt euch mitten durch das Naturreservat Ersdalen, das mich mit seinen dramatischen Klippen, glatt geschliffenem Granit, seiner artenreichen Tier – und Pflanzenweltwelt sowie dem rauen Meer mehr als beeindruckt hat. Den Einstieg findet ihr in der Nähe der Haltestelle Hönö Röd. Zunächst verläuft der Weg durch einen dichten Wald, doch schon bald eröffnet sich die dramatische Felsenlandschaft, die euch entlang des Meeres zu einigen kleinen Buchten mit den typischen kleinen Sommerhäuschen führt. Folgt dem gut ausgeschilderten Weg, bis ihr zurück in Hönö Klåva seid. Für die komplette Umrundung braucht ihr in etwa 5 Stunden, aber nehmt euch genügend Zeit – es gibt so viel zu bestaunen.

Etappe 2 : Insel Fotö

Neben der Insel Hönö liegt die kleinere Insel Fotö. Diese erreicht ihr vom Zentrum aus über eine Brücke innerhalb von 30 Gehminuten. Der Kuststigen beginnt unmittelbar nach der Überquerung und ist als Rundwanderweg ausgeschildert. Er ist der kürzeste und flachste der gesamten Inselgruppe, dennoch hat er es in sich. Durch ständiges Auf und Ab entlang der steinigen Küste ähnelt er einem 2 Stündigen Treppensteigen. Fotö ist die kleinste der vier Inseln und besticht daher mit ihrem romantischen Fischerdorf – Charakter. Keine offenen Cafés – nur Relikte aus vergangenen Tagen, dafür eine kleine liebevoll gestaltete Selbstbedienungsboutique. Weniger ist manchmal mehr – genau dadurch erhält die kleine Insel ihren Charme.

Gut zu wissen – 10 Fakten über die Schweden

Schweden ist das fünftgrößte Land Europas und punktet mit über 200.000 Inseln.

Das Kaffeekränzchen ist heilig: Wer in Schweden überleben will, braucht Fika. Es gilt als gesetzlich verankert ( naja, Fast 😉 ) Kaffee zu trinken und dazu Kanelbullar zu essen.

Schuhe aus – Wohlfühlen an. In Schweden werden beim betreten eines Hauses gnadenlos die Schuhe ausgezogen. Wer das missachtet, gilt als Kulturbanause.

Natur für alle – Dank des Jedermannsrechts, darf sich jeder frei in der Natur bewegen, Beeren pflücken und auch dort übernachten. 80% der Schweden kennen noch nicht mal die Vornamen ihrer Nachbarn. Hier genießt man eben die Ruhe.

Zimtschnecken – Feiertage. Die Schweden lieben ihre Backwaren so sehr, dass sie ihnen einen eigenen Feiertag widmen. Am 4. Oktober wird landesweit der Tag der Zimtschnecke gefeiert.

Schweden ist nahezu Bargeldlos. Selbst für ein Päckchen Kaugummi wird die Karte gezückt. Wer hier mit dem 100 Euro – Schein wedelt macht sich verdächtig.

Die Schweden sind Weltmeister im bedanken. Die schwedische Sprache kommt fast ohne Bitte aus, stattdessen bedanken sie sich schon im voraus. Beispielsweise wenn sie sich einen Kaffee bestellen : En Kaffee, tack. ( Einen Kaffee, danke ) sie bedanken sich einfach für alles, wer ganz genau hinhört, stellt sogar fest sie bedanken sich fürs bedanken. Tack för tacken.

Die Schweden sind extrem glücklich und unkompliziert. Seit der legendären „Du Reform“ in den 1950ger – Jahren, duzt man sich fast überall – selbst den König Carl Gustav.

Schweden importiert Müll. Die Schweden sind so gut im recyceln, dass der eigene Müll nicht ausreicht um Energie zu erzeugen. Jährlich kommen etwa 1,4 Millionen Tonnen Restmüll aus anderen Europäischen Ländern nach Schweden.

Schweden sind immer freundlich, dennoch extrem zurückhaltend und sehr ruhig. Sie sprechen nie laut in der Öffentlichkeit. Die 3 Phasen eines schwedischen Wutausbruchs: Die Augenbrauen wandern 2 Millimeter zusammen, es wird kurz die Luft durch die Zähne eingesaugt, danach folgt der totale Kontrollverlust – es fällt das Wort Ojdå (Hoppla). Danach geht der Schwede und trinkt erst mal einen Kaffee.

Etappe 3 : Insel Öckerö

Öckerö ist das kommunale Zentrum und steuert von hier aus die Belange der 13.000 Einwohner der gesamten Inselgruppe. Die vier Inseln bilden ein zusammenhängendes System das komplett ohne feste Straßenanbindung zum Festland auskommt.

Der 9 Kilometer lange Küstenabschnitt in Öckerö ist mein persönlicher Favorit auf dem Kuststigen. Ein Einstieg hierfür als Tagesetappe ist die Haltestelle Propellerfabriken oder Öckerö Hamn. Obwohl genau dieser Abschnitt keinen ausgezeichneten Naturschutzstatus vorweisen kann, hält er ganz besondere Schätze bereit. Die Mischung aus wilden Klippen und sanften Buchten wirkt fast schon maritim. Die farbenfrohe Pflanzenwelt wechselt sich mit kargen Heidekrautfeldern ab, und sorgt so für besondere Farbexplosionen. Zu guter Letzt führt der Weg vorbei, an einem besonders großen, mit Seerosen bedeckten Hållkar (Felsennapf) .

Etappe 4 : Insel Hälsö mit Inselhüpfen auf Knippla, Hyppeln und Rörö

Hat man einmal die Brücke zur Insel Hälsö passiert, spürt man sofort den Unterschied. Während die Nachbarinseln Hönö und Öckerö oft als Touristisches Zentrum hervorstechen, ist auf Hälsö alles etwas exklusiver. Die Holzvillen thronen prächtiger, die Vorgärten sind noch „akkurater“ – das Gefühl von Sommer in Schweden erreicht hier seinen Höhepunkt. Der Kuststigen ist hier als Rundwanderweg angelegt. Auf ungefähr halber Strecke läuft man direkt auf den Fähranleger Burö zu, der einen kostenfrei zu den Nachbarinseln Knippla, Hyppeln und Rörö bringt. Auch dort läuft der Kuststigen jeweils 2 bis 3 Kilometer über jede einzelne der kleinen Inseln. Die kurzen Überfahrten dauern 10 bis 20 Minuten, so kann man sich nach Herzenslust hin – und her bewegen – und auch mal die ein oder andere Extrarunde auf dem Wasser verbringen, sich die frische Luft des Meeres um die Nase wehen lassen und die Schärenwelt von dort aus bewundern.

Ein weiteres Highlight auf Hälsö ist der in den Kuststigen integrierte Skulpturenweg der schwedischen Künstlerin Jenny Björk Andersson. Seit einigen Jahren arbeitet sie intensiv mit dem Werkstoff Beton. So zieren unzählige Fabelwesen und lustige Skulpturen einen circa zwei Kilometer langen Abschnitt. Leider hat mich auf den Inseln Knippla und Hyppeln ein kleiner Schauer überrascht, was der Schönheit der rauen Küste aber nichts anhaben konnte.