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Norwegens Weg nach Norden

Mit der Nordlandbahn über den Polarkreis

Die Nordlandbahn (Nordlandsbanen) ist eine der bekanntesten und landschaftlich Eindrucksvollsten Eisenbahnstrecken Norwegens, deren Geschichte ebenso spannend ist, wie die Fahrt selbst. Auf ihren rund 730 Kilometern verbindet sie Trondheim in Mittelnorwegen mit Bødo nördlich des Polarkreises. Vorbei am Trondheimsfjord, dichten Wäldern und glitzernden Seen führt sie in rund 10 Stunden über den Polarkreis, durch das Saltfjell – Gebirge. Dieser Abschnitt zählt für mich zu den eindrucksvollsten der gesamten Fahrt. Karge Gebirgsflächen, felsige Hänge und Schneefelder in völliger Abgeschiedenheit ziehen kilometerlang am Fenster vorbei – ab hier beginnt offiziell das arktische Norwegen. Im Sommer geht die Sonne kaum unter, im Winter prägen Schnee, Eis und Polarlicht die Region.

Entstehung und Geschichte der Nordlandbahn

Bereits Ende des 19. Jahrhunderts entstand in Norwegen der Plan, das dünn besiedelte Nordland mit dem Süden des Landes zu verbinden. Fischerei und Bergbau spielten eine zentrale Rolle, doch weite Entfernung, Gebirge und Fjorde machten den Transport unmöglich. Eine Eisenbahn galt als Schlüssel zur wirtschaftlichen Entwicklung. Der Bau der Nordlandbahn erfolgte nicht auf einmal, sondern in Etappen. 1882 eröffnete der erste Streckenabschnitt Trondheim – Hell. Jeder neue Streckenabschnitt bedeutete Jahrelange Planung und harte Arbeit.

Ein dunkles Kapitel der Entstehungsgeschichte begann mit dem zweiten Weltkrieg. Während der deutschen Besatzung Norwegens (1940-1945) wurde der Weiterbau der Bahnstrecke stark vorangetrieben. Dabei kamen tausende Kriegsgefangene – vor allem aus der Sowjetunion und Osteuropa unter unmenschlichen Bedingungen zum Einsatz. Viele von ihnen überlebten den Bau nicht.

Nach 1945 wurde der Bau unter norwegischer Verantwortung fortgesetzt. 1962 folgte dann endlich ein symbolträchtiger Moment, die Nordlandbahn erreichte Bødo – erstmals war eine durchgehende Eisenbahnverbindung vom Süden Norwegens bis nördlich des Polarkreises Realität.

Heute ist die Nordlandbahn viel mehr als nur ein Transportmittel. Eine Fahrt von Trondheim nach Bodo ist vor allem Entschleunigung auf einer landschaftlich atemberaubenden Fahrt – die den Übergang von Europa zur Arktis deutlich spürbar macht.

Trondheim

Trondheim ist mit ihren knapp 220.000 Einwohnern nach Oslo und Bergen die drittgrößte Stadt Norwegens. Zwar gilt Dänemark als Herzland der Wikinger, dennoch wurde das heutige Trondheim ursprünglich als Nidaros gegründet und wurde sogar zur zentralen Hauptstadt der Wikinger. Heute ist Trondheim vor allem bekannt für seine bunten Hafenhäuser aus dem 18. Jahrhundert und die einzigartige Kulinarik, bestehend aus dem Wikinger-Erbe in Verbindung mit moderner nordischer Küche die überwiegend aus regionalen Produkten wie Elch und Rentier mit viel frischem Gemüse besteht.

Bødo

Der wichtigste Ausgangspunkt und Fährhafen für Reisende die zu Fuß, mit dem Auto oder eben auch mit der Nordlandbahn anreisen, befindet sich in Bødo – deshalb wird die Stadt auch als das Tor zu den Lofoten bezeichnet. Wer etwas Zeit mitbringt und Bødo verstehen will, sollte unbedingt den Keiservarden besteigen. Manche Orte brauchen keine große Höhe um etwas ganz großes auszusagen, der Hausberg in Bødo ist einer dieser Orte. In knapp 2 Stunden erreicht ihr den Gipfel vom Zentrum aus – oben angekommen werdet ihr die unten eher nüchtern und zweckmäßig wirkende Stadt in ihrer vollkommenen Schönheit betrachten. Bei klarer Sicht liegen euch zahlreiche Inseln und Schären, der Hafen sowie eine atemberaubende Fernsicht bis zu den Lofoten zu Füßen. Zugegeben der Keiservarden ist kein Berg für Gipfelrekorde, aber für die ganz besonderen Gipfelmomente.

Fähre von Bødo nach Moskenes auf die Lofoten

Lange vor meiner Reise auf die Lofoten habe ich mir Gedanken darüber gemacht, ob es mir wirklich Freude bereitet diese zu Fuß zu erkunden. Die Inselkette besteht aus etwa 80 Inseln, die durch Brücken und Tunnel miteinander verbunden sind. Als unbekannter Sehnsuchtsort vieler Menschen, bis dato auch meiner, kennt jeder die atemberaubende Naturerlebnisse und Aussichtspunkte die diese Inseln zu bieten haben. Gleich vorweg – ohne Fahrbaren Untersatz ist es sehr schwierig sich auf den Lofoten fortzubewegen. Schwierig ja – aber nicht unmöglich! Und genau das war meine Herausforderung und gleichzeitig auch Ansporn, mich für einen Besuch zu entscheiden. Die Überfahrt mit der Fähre dauert etwas mehr als 3 Stunden und ist für Fußgänger und Backpacker sehr günstig, da diese eher von Wohnmobilen genutzt wird.

Zu Fuß erkundet man natürlich oft nur einen kleinen Teil der vielen traumhaften Flecken, deshalb ist es besonders wichtig sich einen guten Ausgangspunkt festzulegen. Ich entschied mich für den kleinen Ort Sørvagen nahe Moskenes. Von dort aus boten sich mir hervorragende Möglichkeiten die umliegende Landschaft zu Fuß zu erkunden. Darunter war der Ort Å sowie eine Wanderung zum Svartvatnet- See, der mit seiner schwarz schimmernden Oberfläche wirklich beeindruckend und sehr mystisch wirkt. Ebenfalls könnt ihr zu Fuß in knapp 2 Stunden nach Reine wandern.

Å Lofoten

Svartvatnet- See

Reine

Für mich steht fest, dass man in Norwegen – wie auch in vielen anderen Ländern, die intensivsten Momente zu Fuß erlebt. Obwohl das Reisen mit dem Wohnmobil und Auto einfacher ist, nimmt man die Umwelt als Backpacker oftmals bewusster und mit allen Sinnen wahr. Deshalb mein Fazit – ein klares ja für mich – und eine Empfehlung für alle unter euch, die dieses vielseitige, teils raue und ursprüngliche Land mit etwas Aufwand und Abenteuer erleben möchten.